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FERTIGUNG 2020

: Wedco


Das Schlagwort Industrie 4.0 ist in aller Munde. Eine durchgängige Vernetzung und Digitalisierung bis in den Fertigungsprozess ist bereits realisierbar und wird in manchen Unternehmen bereits umgesetzt. Der Frage, inwieweit dies auch praxistauglich ist, widmete sich die Tagung „FERTIGUNG 2020“ am 24. Juni 2015. Über 160 Teilnehmer folgten der Einladung der Prozesskette.at in die neu eröffneten Swarovski Kristallwelten. Autor: Ing. Robert Fraunberger / x-technik

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Der Veranstalter, die Prozesskette.at, wollte mit der Tagung „FERTIGUNG 2020“ vor allem die Praxistauglichkeit der Industrie 4.0 hinterfragen. Durch den Event führte Dipl. Ing. (FH) Johannes Riha, Assistent der Geschäftsführung bei GGW Gruber.

Der Veranstalter, die Prozesskette.at, wollte mit der Tagung „FERTIGUNG 2020“...

Der Veranstalter, die Prozesskette.at, eine Allianz für Präzisionsfertigung bestehend aus den sechs Partnerfirmen Emag, GGW Gruber, Hermle, Wedco, Westcam und Zoller, wollte mit der Tagung „FERTIGUNG 2020“ vor allem die Praxistauglichkeit der Industrie 4.0 (I 4.0) hinterfragen. Wo liegen in Zukunft die Herausforderungen der Fertigung? Ist I 4.0 auch im Bereich der Fertigungstechnik praktikabel? Was sind die wesentlichen Aufgaben am Weg zu I 4.0?

Diese Fragestellungen beleuchteten die Branchenexperten Univ. Prof. Dr. Wilfried Sihn, Geschäftsführer der Fraunhofer Research Austria GmbH, Dipl. Ing. (FH) Johann Hofmann , Leiter der ValueFacturing® Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, Walter Sticht, Alleingesellschafter Sticht Technologie und Gründer der Stiwa Group sowie Andreas Volmer, Vertriebsleiter der Paul Horn GmbH.

Die Sicht der Wissenschaft

Im ersten Vortrag lieferte Prof. Sihn eine fundierte Analyse aus Sicht der Wissenschaft. Voraussetzung von I 4.0 seien echtzeitfähige Systeme und eine entsprechende EDV-Landschaft mit schneller Internetanbindung. All das ist heute bereits vorhanden und realisierbar. „Industrie 4.0 ist bereits in der Fertigung angekommen. Es stellt sich also nicht die Frage, ob Industrie 4.0, sondern wie!“, so Sihn einleitend. Ein ganz wesentlicher Punkt der Fertigung 2020 sei die Sammlung von Daten und die Möglichkeiten, diese entsprechend zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Daten sind das Öl der Zukunft“, so Sihn mit einem interessanten Vergleich.

Ein
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Zur Beherrschung komplexer Systeme sieht Dipl. Ing. (FH) Johann Hofmann die Lösung in der Integration von Assistenzsystemen.

Zur Beherrschung komplexer Systeme sieht Dipl. Ing. (FH) Johann Hofmann die...

Problem von I 4.0 sieht er im Bereich der Mitarbeiter-Qualifikation: „Aufgrund dieser Entwicklung wird die Kluft von höher zu niedriger qualifizierten Mitarbeitern größer. Dies kann mit der Zeit zu einem sozialen Problem führen. Hier ist vor allem unser Bildungssystem gefragt.“

Großes Potential ortet er in der Erhöhung des Automatisierungsgrades in der Produktion und somit der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. „Roboter und Mensch ergänzen sich und werden in Zukunft Hand in Hand arbeiten.“ Darüber hinaus sieht er viele weitere Möglichkeiten wie echtzeitbasierende Instandhaltung, Steigerung der Energieeffizienz, die Möglichkeit der Nachverfolgung für jedes Bauteil bzw. Produkt und nicht zuletzt eine optimale Produktionsplanung und damit verbunden eine verbesserte Auslastung der Fertigung. Alleine in der „intelligenten Produktionsanlage“ sieht er ein Steigerungspotential von rund 30 Prozent. Für all das müssen noch Standards definiert und das Thema IT-Sicherheit gelöst werden.

Assistenzsysteme als Schlüssel

Dipl. Ing. (FH) Johann Hofmann beschäftigte sich anschließend mit dem Thema: „Industrie 4.0 – erkennen und verstehen“. Als Voraussetzung von I 4.0 in der Fertigung sieht er das sogenannte Lean Management bzw. eine schlanke Produktion, in der Wertschöpfung durch standardisiertes Verhalten geschaffen wird. „Das in die Praxis umzusetzen, ist bereits kompliziert. Wenn man aber genug Wissen hat, ist Lean Management beherrschbar“, betont Hofmann.

Durch die Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette, also die Integration von I 4.0, werden die Prozesse jedoch komplex und somit nicht mehr
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Walter Sticht sieht einen ganz wichtigen Aspekt von in Industrie 4.0. in der Aktivierung und Integration wertschöpfender Mitarbeiter.

Walter Sticht sieht einen ganz wichtigen Aspekt von in Industrie 4.0. in der...

beherrschbar. „Eine exakte Planung für ein komplexes System ist pure Illusion“. Somit sieht er als Lösung die Integration von Assistenzsystemen im Shop-Floor Bereich. „Diese reduzieren die Komplexität der Produktion“. Als Beispiel nennt er die MES-Lösung MR-CM® der Maschinenfabrik Reinhausen, die zur zentralen Daten- und Informationsdrehscheibe wird, mit der die Steuerungen aller am Fertigungsprozess beteiligten Systeme direkt online kommunizieren.

Integration der Mitarbeiter

Walter Sticht zeigte in seinem Vortrag, welchen Beitrag die Mitarbeiter zur Effizienz von I 4.0 leisten können. „Ich sehe einen ganz wichtigen Aspekt in der Aktivierung der wertschöpfenden Mitarbeiter. Deren Wissen muss über definierte Regelkreise einfach und effizient in die Systeme einfließen können“, so Sticht, der dies vor allem über ein intelligentes und vollintegriertes Bedienterminal lösen will. „Wir müssen weg von Schaltern, Rastern und Insel-Lösungen und brauchen ‚nur‘ den Smartphone-Komfort in die Fertigung zu implementieren.“

Dazu benötigt es intelligente Softwarelösungen, die all das auch zukunftsfähig machen. Gelöst habe sein Unternehmen das mit dem Bedienterminal STP 55, bei dem die Mitarbeiter alle Infos über den Fertigungsprozess einfach abrufen und gleichzeitig ihr Wissen wieder einfließen lassen können.

Intelligente Werkzeugsysteme

Mit seinem Vortrag „Werkzeuge 2020“ gab schließlich Andreas Volmer einen ausführlichen Einblick in die intelligenten Werkzeugsysteme
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Zur Abrundung des Tages fanden noch exklusive Führungen durch die neuen Swarovski Kristallwelten statt.

Zur Abrundung des Tages fanden noch exklusive Führungen durch die neuen Swarovski...

der Zukunft. Die weltweiten Megatrends wie alternde Gesellschaft, Urbanisierung, Mobilität, Globalisierung, Gesundheit und Kommunikation sieht er sowohl als Herausforderung als auch als Wachstumstreiber. Die Auswirkungen, die sich daraus auf die Zerspanung ableiten lassen, sind klar erkennbar: „Der Trend in der Produktion weg von der Massen- hin zur individualisierten Fertigung mit kürzeren Prozesszeiten und kleineren Stückzahlen ist bereits voll im Gange“. Damit müssen Werkzeugsysteme zukünftig noch flexibler und universeller einsetzbar sein. „Der ganzheitliche Ansatz von Qualität, Wirtschaftlichkeit und Flexibilität steht aktuell bei der Entwicklung von Werkzeugen an oberster Stelle“, so Vollmar weiter. Ein weiterer Produktivitätsgewinn entstehe durch die zunehmende Maschinendynamik, die wiederum höhere Schnittwerte und kürzere Wechselzeiten ermöglicht. Darüber hinaus forcieren generelle Trends wie Leichtbau, Optik, Gesundheit etc. den Einsatz spezieller Stähle und neuer Materialien.

Die daraus resultierenden Werkzeuganforderungen müssen durch eine optimale Auswahl des Substrates, einer verbesserten Geometrie und – hier sieht er das größte Potential – einer weiterentwickelten Beschichtungstechnologie gelöst werden. Bei Horn entwickelt man daher verbesserte Multi-Layer-Schichten mit Nano-Struktur.



Weitere Möglichkeiten entstehen durch neue Produktionsmethoden im Bereich Hartmetallpressen, die komplexere Wendeplattenformen ermöglichen, die Zusammenfassung von Bearbeitungsoperationen beispielsweise im Drehen, die
Hochleistungsbearbeitung mit hohen Abtragsleistungen und steuerungsoptimierte Bearbeitungsstrategien wie beispielsweise das Trochoide Fräsen.

Die Fachtagung Fertigung 2020 hat also die Praxistauglichkeit von Industrie 4.0 bestätigt. Die richtigen Schlüsse und Strategien für sein Unternehmen muss letztendlich jeder selber ziehen. Zur Abrundung des Tages fanden noch exklusive Führungen durch die neuen Swarovski Kristallwelten statt. Diese wurden vor Kurzem mit mehr als der doppelten Fläche neu eröffnet.

Der Veranstalter, die Prozesskette.at, wollte mit der Tagung „FERTIGUNG 2020“ vor allem die Praxistauglichkeit der Industrie 4.0 hinterfragen. Durch den Event führte Dipl. Ing. (FH) Johannes Riha, Assistent der Geschäftsführung bei GGW Gruber.
Zur Beherrschung komplexer Systeme sieht Dipl. Ing. (FH) Johann Hofmann die Lösung in der Integration von Assistenzsystemen.
Walter Sticht sieht einen ganz wichtigen Aspekt von in Industrie 4.0. in der Aktivierung und Integration wertschöpfender Mitarbeiter.
Zur Abrundung des Tages fanden noch exklusive Führungen durch die neuen Swarovski Kristallwelten statt.



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